problematische Feuchttücher

Veröffentlicht am: 13.03.2017
In der Betriebsausschusssitzung am 07.03.2017 berichtete der Betriebsleiter Ralf Bücker über Probleme mit Feuchttüchern. Dazu ist am 09.03.2017 folgender Bericht in den Westfälischen Nachrichten erschienen.

Klärwerk: Faser-Alarm in Pumpen IMG_2073

Teure Reparaturen durch Feuchttuchreste


-Joachim Edler- Warendorf - Das Phänomen ist nicht neu und war erstmals im Oktober vom Leiter des Abwasserbetriebes, Ralf Bücker, beim Namen genannt worden: Sogenannte Feuchttücher legen die Pumpanlage im Klärwerk lahm. Grund sei anscheinend ein verstärktes Hygienebedürfnis der Warendorfer. Während das normale Toilettenpapier keine Probleme bereitet, verstopfen die feuchten Tücher durch ihre Kunststoff-Fasern die Pumpen.


Laut Verpackung soll es ja einfach herunterspülbar sein und sich im Wasser auflösen. Doch der Warendorfer Abwasserbetrieb hat andere Erfahrungen gemacht. Auf dem Weg durch die Kanalisation werden die feuchten Tücher ineinander verwirbelt, bis eine zähe Masse entsteht. Die dicken Klumpen sind von den Pumpen dann nicht mehr zu bewältigen. Es kommt zur Verstopfung. Die Entfernung sei nur durch enormen Mehraufwand möglich, der viel Geld kostet und für den am Ende die Verbraucher wieder geradestehen müssen – nämlich durch gestiegene Abwassergebühren.


25 000 Euro, informierte Bücker am Dienstagabend im Betriebsausschuss, habe die letzte Reparatur der durch die Feuchttücher festgesetzten Pumpe gekostet. Die erneut beschädigte Pumpe transportiere 6500 Kubikmeter Wasser pro Stunde. Das Pumpengewinde in dem sechs Meter langen, Rohr mit 70 Zentimetern Durchmesser kann nur mit Hilfe eines Schwerlastkrans aus- und eingebaut werden. In den Kosten enthalten ist der Transport. Denn die Reparatur kann von den Mitarbeitern des Betriebs nicht selbst erledigt werden, das übernimmt eine Spezialfirma in Heide.

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Das letzte Mal ist nicht mal ein halbes Jahr her, da gibt es erneut Alarm. Die Pumpe droht wieder festzusetzen. „Wir suchen eine technische Lösung, haben ein Guckloch in die Röhre einarbeiten lassen, durch das wir mit einer Kamera frühzeitig erkennen können, wenn die Pumpe erneut zu verstopfen droht. Das ist jetzt der Fall“, so Bücker. „Vielleicht können wir mit einem Werkzeug über das Guckloch an die dicken Papierklumpen gelangen und diese lösen.“ Ob das gelingt? Bücker weiß es nicht.


Ein Verbot von Feuchttüchern fordert der Leiter des Abwasserbetriebes gar nicht erst, weil es nicht durchsetzbar wäre. Doch er appelliert an die Verbraucher, die feuchten Tücher nicht in die Toilette, sondern in Hygienebeutel zu werfen. Der Abwasserbetrieb plant eine Aufklärungskampagne, eine große Bürgerinformation. „Wir bekommen immer mehr Probleme mit diesen Tüchern“, sagt Bücker. Bis Mitte vergangenen Jahres habe der Abwasserbetrieb nie ein Problem mit den feuchten Tüchern gehabt. Dann sei das Aufkommen schlagartig explodiert. Eine genaue Erklärung dafür hat der Leiter des Abwasserbetriebes dafür nicht. Vermutlich seien die Anforderungen der Menschen an Hygiene und Düfte gestiegen.


Mit dem Problem steht Warendorf nicht allein da. Bundesweit legen die Tuchfasern Kläranlagen lahm. Betroffene Klärwerker attackierten das Phänomen, wo sie konnten: Pumpen wurden umprogrammiert, hochgerüstet, Schneidblätter armiert. Doch eine Lösung scheint es bislang noch nicht zu geben. Deshalb appelliert Bücker noch einmal: „Feuchte Tücher gehören nicht in die Toilette.“

 
Joachim Edler

Einen Film der Stadtentwässerung Dresden zum Thema Feuchttücher finden Sie hier Externer Link - Neues Fenster .