Glocke - Mit Nebel-Kerzen Fehlanschluss aufdecken

Veröffentlicht am: 09.07.2013
Warendorf (gl). Mit künstlichem Nebel begibt sich der Abwasserbetrieb Warendorf auf die Suche nach „Fehlanschlüssen“, die die Abwasserkanäle über Gebühr benutzen. In der kommenden Woche steht eine Überprüfung von Teilen des Wohngebiets südlich der Reichenbacher Straße um den Südring zwischen Waldenburger Straße und Adlerstraße auf dem Programm.

  Nebel mit Text
Das Gebiet entwässert im Trennsystem, das heißt, Regenwasser und Schmutzwasser werden in zwei getrennten Kanälen abgeführt. Das Regenwasser wird in oberirdische Gewässer eingeleitet, das Schmutzwasser fließt zum Schmutzwasserpumpwerk an der Beelener Straße und von dort aus weiter zur Kläranlage.

Wie Ralf Bücker, Leiter des Abwasser-betriebs, erläutert, sei das Pumpwerk nur für Schmutzwasser dimensioniert. Falls größere Regenwassermengen durch falsche Anschlüsse dort eingeleitet werden, führe dieses zur Überlastung des Systems und damit zum Rückstau im Kanal. Nicht zuletzt führe fehlgeleitetes Regenwasser zu erhöhten Kosten bei der Kläranlage. Bücker: „Die Fehlanschlüsse müssen daher vermieden werden, auch um den Gebührenzahler nicht „über Gebühr“ zu belasten.

Fehlanschlüsse entstünden immer wieder bei Neu- oder Umbau von Gebäuden und befestigten Flächen, indem zum Beispiel Regenfallrohre, Hofabläufe oder Kellertreppen an den Schmutzwasserkanal angeschlossen würden.

Die Untersuchung der Schmutzwasserkanäle wird mit künstlich erzeugtem „Nebel“ durchgeführt, der in einen abgesperrten Kanalabschnitt eingeleitet wird. Bei falsch angeschlossenen Leitungen, zum Beispiel von einer Dachfläche, wird der Nebel oberhalb der Dachrinne am Fallrohr sichtbar. Die Feststellung eines Fehlanschlusses  wird dokumentiert und mit einem Foto festgehalten.

Der Abwasserbetrieb wird nach Abschluss der Untersuchung die Eigentümer der betroffenen Grundstücke anschreiben und mit Fristsetzung zur Beseitigung des Fehlanschlusses auffordern. Mit den Untersuchungsarbeiten wurde nach Auskunft Bückers ein Ingenieurbüro beauftragt. Die örtlichen Arbeiten sollen in der 28. Woche, am 10. Juli, beginnen und am 26. Juli abgeschlossen sein. Bücker: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Nebel an ungewöhnlichen Stellen über den Dächern von Häusern sichtbar wird. Er sollte dann nicht mit Brandrauch verwechselt werden, um keinen „falschen Alarm“ bei der Feuerwehr auszulösen. Im Zweifel und Brandverdacht sollte aber trotzdem die Feuerwehr alarmiert werden. Das Ordnungsamt und die Feuerwehr seien über die Maßnahme informiert.

Rückfragen beim Abwasserbetrieb – Richard Czuba – 02581/541709 oder Martin Schäper – 02581/541704.

Hintergrund:
Fehleinleitungen von Regenwasser in die Schmutzwasserkanäle können nach Auskunft des Abwasserbetriebs zu erheblichen Schäden auf dem eigenen oder fremden Grundstück führen. So sei es nicht ausgeschlossen, dass es bei Starkregen in den für Regenwasser nicht ausgelegten Schmutzwasserleitungen zum Rückstau kommt und das Regenwasser über Waschbecken, Bodeneinläufe oder Schächte in den Keller eindringt.

Letztendlich sei zwar jeder Hauseigentümer verpflichtet, sich vor Rückstau durch entsprechende Rückstausicherungen zu schützen, erläutert Betriebsleiter Ralf Bücker. Der Abwasserbetrieb versuche jedoch, durch Maßnahmen wie die Ermittlung von Fehlanschlüssen durch die „Benebelung“ der Kanäle, Rückstauereignisse zu minimieren. Das kommunale Unternehmen komme mit dieser Prüfung seinen Pflichtaufgaben nach, die ihm nach dem Landeswassergesetz, dem Wasserhaushaltsgesetz und den Regeln der Technik obliegen.

In den vergangenen Jahren seien bereits mehrfach Schmutzwasserkanäle in „Trenngebieten“ mit Benebelung untersucht worden. Dabei ist laut Bücker eine Vielzahl von Fehlanschlüssen in der Größenordnung von 20 000 Quadratmetern (zwei Hektar) falsch angeschlossener Dach- und Hofflächen festgestellt worden. Dies entspricht bei Ansatz der in Warendorf fallenden jährlichen Regenmenge einer Abwassermenge von bis zu 12 000 Kubikmetern, die unnötigerweise in Pumpwerken gehoben und in der Kläranlage behandelt werden mussten.