Faulgas macht Turbinen flott und beschert Kilowatt

Veröffentlicht am: 25.07.2012
Warendorf (gl). Bereits sei mehr als 15 Jahren dient die Kläranlage in Warendorf nicht mehr nur zur Reinigung des Abwassers aus den Haushalten und Gewerbebetrieben im Stadtgebiet. Bei der Abwasserreinigung wird gleichzeitig Strom mittels eines WAsserrades und zwei Mikrogasturbinen produziert. Was dabei "hinten herauskommt", das können Bürger abs sofort auch online im Internet verfolgen.

Ralf Bücker, Betriebsleiter des Abwasserbetriebs, ist stolz auf das, was am Standort Neuwarendorf 113 passiert: "Vor kurzem wurde die Grenze von vier Millionen Kilowattstunden Strom, die CO2neutral erzeugt wurden, überschritten." Ralf Bücker, Betriebsleiter beim Abwasserbetrieb, erläutert die neuen Funktionen im Internet
Das hat der Abwasserbetrieb zum Anlass genommen, die aktuelle Stromproduktion online zu stellen. Auf den Seiten des Abwassserbetriebs (unter www.aw-waf.de , Stichwort Technische Anlagen / Energiegewinnung) würden die aktuelle Leistung wie auch die erzeugte Energie seit Inbetriebnahme angezeigt, erläutert Bücker aus Anlass der Freischaltung.
Im Schnitt werden jährlich 790000 Kilowattstunden  (kwh) Strom erzeugt, was ungefähr der Hälfte des Stromvervbrauchs der Kläranlage entspricht. Im Jahr 2011 wurden 49,4 Prozent und im ersten Halbjahr 2012 sogar 53,2 Prozent des eigenen Strombedarfs so gedeckt. "Mit dieser Menge könnten 200 durchschnittliche Privathaushalte versorgt werden", rechnet Bücker vor. Aber das ist Theorie, denn praktisch hat das System den Vorteil, dass der Strom direkt auf dem Gelände der Kläranlage genutzt und so nicht in das öffentliche Netz eingespeist werden muss.
Vor Ort zeichnet Tim Jungmann für die technischen Abläufe auf der gesamten Kläranlage verantwortlich. Er überwacht auch das Wasserrad, das bereits 1996 in Betrieb ging, sowie die zwei Microgasturbinen (seit Dezember 2007), die für die Erfolgsgeschichte der Stromproduktion des Abwasserbetriebes stehen.

Hintergrund:
Bei der Klärschlammbehandlung auf der Kläranlage entsteht Methangas mit einem Methangehalt von 30 bis 35 Prozent. Dieses Gas wird verdichtet und in den Microgasturbinen verbrannt. Dadurch wird der Generator der Micorgasturbine mit bis zu 96000 Umdrehungen angetrieben und produziert so den Strom.
Die Abwärme der Turbinen wird zur Beheizung der Betriebsgebäude und der Faulbehälter (Türme, in denen Bakterien bei 37 Grad Celsius den organischen Anteil im Schlamm abbauen) genutzt.
Die beiden Microgasturbinen erzeugen zusammen maximal eine elektrische Leistung von 130 Kilowatt und eine thermische Leistung von 240 Kilowatt. Sie haben von Dezember 2007 bis heute jeweils 37000 Betriebsstunden gelaufen, was einer jährlichen Betriebsdauer von fast 8000 Stunden entspricht.